Wie stelle ich einen Rehaantrag – und wo?
Der Haus- oder Facharzt muss die Notwendigkeit einer Rehabilitation bescheinigen – entweder auf eigenen Formularen, durch freies Attest oder auf Vordrucken der Kostenträger. Eine Einweisung wie im Krankenhaus reicht nicht. Die Ruhrtalklinik wird bundesweit von der Deutschen Rentenversicherung, den Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungen sowie im Einzelfall auch den Trägern der örtlichen oder überörtlichen Sozialhilfe belegt.

Nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes aus 2015 ist in den allermeisten Fällen die Krankenkasse zuständiger Kostenträger für die Rehabilitation geistig behinderter Menschen. Dies gilt insbesondere bei Rentnern und Mitarbeitern anerkannter Werkstattäten (WfBM). Sollte eine Anstellung in einer WfBM deshalb erfolgt sein, weil eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt am Fehlen adäquater Angebote scheiterte, kann auch die Rentenversicherung Kostenträger werden.

Ferner sollten Sie darauf achten, dass der Kostenträger die gesetzliche Bearbeitungsfrist (in der Regel 14 Tage) einhält. Wird diese nämlich überschritten, kann der zuerst angegangene Kostenträger die Angelegenheit nicht zu einem anderen Kostenträger weiterleiten. Je nachdem, ob der Kostenträger zuständig und ob ein Gutachten erforderlich ist, darf die maximale Bearbeitungsdauer sieben Wochen nicht überschreiten.

Eine weitere Möglichkeit für behinderte Menschen, Rehabilitation in Anspruch zu nehmen, ist die sogenannte Kinderrehabilitation. Kinder und Jugendliche, die wegen einer Behinderung nicht selbst für sich sorgen können, können bis zu ihrem 27. Lebensjahr eine Kinderrehabilitation erhalten. Zuständig ist dann immer die Deutsche Rentenversicherung. Diese gewährt laut gesetzlicher Vorgabe eine Dauer von mindestens vier Wochen. Weitere Informationen dazu finden Sie in den Anlagen dieser Informationsmappe.

Wir bieten Ihnen gerne an, Sie im Antragsverfahren zu unterstützen. Zwar können wir keine ärztlichen Bescheinigungen ausstellen oder Anträge ausfüllen, dennoch geben wir gerne Ratschläge, wie die Antragstellung erfolgen sollte.

Ich wollte in die Ruhrtalklinik, soll jetzt aber in eine andere Einrichtung
Viele Gründe sprechen für die Reha in der Ruhrtalklinik (z. B. Hol und Bringedienste zur Therapie, Personensicherung für desorientierte Patienten, Freizeitgestaltung, Beschilderung des Hauses für Lese- und Schreibunkundige). Wir sind als Klinik sehr erfahren in Therapie und Behandlung von geistig Behinderten und haben uns auf die Bedürfnisse dieses Patientenkreises spezialisiert.

Es kann vorkommen, da nicht jeder die Ruhrtalklinik kennt, dass eine andere Klinik benannt wird – ohne beschützenden Rahmen. Wir raten dann, einen Umeinweisungsantrag zu stellen. Sprechen Sie uns einfach an.

Kann ich meine Dialyse bei Aufenthalt in der Ruhrtalklinik fortsetzen?
Ja! Bei Dialysepatienten kooperieren wir mit einer Praxis vor Ort.

Was ist mit meinem Pflegegeld?
Gemäß § 34 Abs. 2 SGB XI ist ein etwaig bezogenes Pflegegeld innerhalb der bewilligten Rehabilitation weiterzuzahlen. Einbußen braucht man hier nicht zu befürchten. Es gilt grds. das gleiche wie bei einem Krankenhausaufenthalt.

Was ist mit Zuzahlung bei stationärer Rehabilitation?
Zuzahlungen zur medizinischen Rehabilitation durch die Krankenversicherung sind in 2017 nur zu leisten, sofern die individuelle Belastungsgrenze (1% bei chronisch Kranken sonst 2% des Brutto-Jahres-Entgelt) – ca. 35€ /70€ bei WfB-Beschäftigten – noch nicht erreicht ist! Falls die Obergrenze bei Aufenthalt in unserem Hause erreicht wird, kümmern wir uns um die Befreiung. In wirtschaftlichen Problemlagen kann unser Förderverein helfen. Bis zum 18. Lebensjahr ist man aber grundsätzlich befreit!
Ist die Deutsche Rentenversicherung Kostenträger der Reha-Maßnahme, fällt eine Zuzahlung nur an, wenn der Nettoverdienst 1191,00 € übersteigt! Ansonsten wird man auf Antrag befreit ( Befreiungsanträge möglichst gleichzeitig mit dem Rehaantrag stellen)!

Rentenbezug und Reha
Auch im Rentenalter ist es wichtig, bei Kraft und Gesundheit zu bleiben. So hat man zwar grundsätzlich keine Möglichkeiten mehr zu Lasten der Rentenversicherung Rehabilitationsmaßnahmen zu erhalten, aber zu Lasten der Krankenkassen wegen allgemeiner Leiden ist es jeder Zeit möglich ( Reha vor Pflege! ). Maßgeblich ist natürlich der allgemeine Gesundheitszustand und das Votum des behandelnden Haus- und oder Facharztes vor Ort.

Mein Antrag wurde abgelehnt – was nun?
Ist der Versicherte mit der Entscheidung eines Sozialversicherungsträgers nicht einverstanden, so kann er gegen den Bescheid Widerspruch einlegen. Der Widerspruch ist grundsätzlich innerhalb eines Monats bzw., wenn der Bescheid keine Rechtsbehelfsbelehrung enthält, innerhalb eines Jahres möglich, nachdem der Bescheid bekannt gegeben wurde. Dieses so genannte Vorverfahren gibt es in allen Zweigen der Sozialversicherung.

Will die Verwaltung dem Widerspruch des Versicherten nicht stattgeben, entscheidet hierüber der Widerspruchsausschuss. Dieser ist im Allgemeinen paritätisch aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besetzt und wird durch fachkundiges Personal des Sozialversicherungsträgers beraten. Gegen den Widerspruchsbescheid ist innerhalb eines Monats nach der Bekanntgabe Klage beim Sozialgericht möglich. Für das Widerspruchsverfahren (Vorverfahren) erhebt der Sozialversicherungsträger keine Gebühren, insoweit besteht also Kostenfreiheit für den Versicherten.
Tipp: Alle Unterlagen die eingereicht werden kopieren – z.B.: den Antrag auf Rehabilitation, das medizinische Gutachten etc. Sollte ein Widerspruch notwendig werden, kann so besser begründet werden. Sprechen Sie uns an. Wenn möglich helfen wir gerne!